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Wer Chemie studiert, muss sich auch heute noch oft diesen Satz anhören: „Die Doktorarbeit ist ja Pflicht bei euch, um einen Job zu finden.“ Ohne Dissertation geht’s nicht – diese Annahme teilen noch immer viele Studenten, Eltern, Professoren im Bereich Chemie. Ganz richtig ist sie nicht.
Ein Doktortitel ist nicht unbedingt notwendig, um attraktive Jobs in der Chemiebranche zu finden. Vielmehr sind heute Bewerber gefragt, die auch andere Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen, etwa in den Bereichen Marketing und Organisation.
Die Profile der angebotenen Jobs haben sich in die Breite entwickelt und sind vielseitiger geworden. Mehr als akademische Würden zählen heute oft praktische Anwendungsfähigkeit und Kompetenzen, die über die reine Chemie hinausgehen. Chemiker, die im Vertrieb arbeiten, im Effizienzmanagement oder für Marketing und PR müssen ihr chemisches Fachwissen mit anderen Fertigkeiten verbinden – solche Bewerberprofile sind gefragt und entsprechend heiß umkämpft.
Der deutschen Chemiebranche geht es insgesamt sehr gut. Der Umsatz der deutschen Chemieunternehmen stieg in den vier Jahren zwischen 2002 und 2006 von 132,3 Milliarden auf 162 Milliarden Euro. Zwar sank die Zahl der Jobs insgesamt zwischen 1994 und 2006 von 570.000 auf 436.000 – doch vor allem in den Tätigkeiten, die über reine Chemie hinausgehen, wuchs die Zahl der Beschäftigten. Die Betriebe suchen oft verzweifelt nach Chemikern, die auch in anderen Bereichen arbeiten können. Oder nach Absolventen anderer Fachrichtungen mit Chemie-Kenntnissen. Gut für die Bewerber mit dem richtigen Profil – sie können sich auf viele interessante Stellenangebote gefasst machen.
Neben Marketing und Vertrieb gewinnen vor allem die Bereiche Patente und Chemikalienrecht immer mehr an Bedeutung. Hier werden Bewerber mit Chemie-Hintergrund gebraucht, die verkaufen, kommunizieren und organisieren können, und die Fachwissen aus den Bereichen Betriebswirtschaft und Recht mitbringen.
Die alte Weisheit vom Zwang zum Doktortitel ist allerdings auch nicht ganz falsch. Wer in die chemische Produktion will, wer in Labors, in der Entwicklung oder Forschung arbeiten möchte, der braucht fast immer den Titel „Dr. rer. nat.“ – lateinisch für „Doktor der Naturwissenschaften“. Wer dort nicht unbedingt arbeiten möchte, sollte sich gut überlegen, ob eine Promotion wirklich lohnt. Zumal die Bereiche um die Produktion herum immer wichtiger werden.
Chemie-Giganten wie Bayer und BASF etwa haben eigene Abteilungen für Inhouse Consulting. Das ist eine Art interne Unternehmensberatung, die Betriebsprozesse, Organisationsabläufe und Kostenstrukturen untersucht und für effiziente Steuerung des Unternehmens zuständig ist. Dafür brauchen Bewerber einerseits intensives Fachwissen aus dem Bereich Chemie – aber eben auch betriebswirtschaftliche Kompetenzen und gute Kommunikationsfähigkeit. Im Vertrieb und in der Pharmaberatung geht es ebenfalls nicht ohne Kenntnisse der Chemie – Persönlichkeit, strategisches Denken und Überzeugungsfähigkeit sind hier aber wichtiger als ein Doktorhut.
All das macht die Chemiebranche zu einem attraktiven Berufsfeld mit interessanten Jobs für Bewerber aus den unterschiedlichsten Bereichen.
© StepStone, 2008
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